Bruttogewinn

Der Bruttogewinn ist der Umsatz abzüglich der Herstellungskosten. Er zeigt, was nach den direkten Kosten des verkauften Produkts übrig bleibt.

Formel

Umsatz - Herstellungskosten

Die Herstellungskosten umfassen die Kosten, die unmittelbar mit dem verkauften Produkt anfallen: Material, Fertigungslöhne, Fracht, Abschreibungen auf Produktionsanlagen. Was übrig bleibt, steht zur Verfügung, um Vertrieb, Verwaltung, Forschung und am Ende den Gewinn zu bezahlen. Im Verhältnis zum Umsatz ergibt der Bruttogewinn die Bruttomarge.

Was der Bruttogewinn über das Geschäftsmodell sagt

Von allen Gewinnstufen liegt der Bruttogewinn am nächsten am Geschäftsmodell. Er beantwortet eine einzige Frage: Wie teuer ist es, das herzustellen, was verkauft wird? Bei einem Softwareunternehmen kostet die nächste verkaufte Lizenz fast nichts, der Bruttogewinn entspricht fast dem Umsatz. Bei einem Händler, der Ware einkauft und weiterverkauft, bleibt nur eine dünne Spanne.

Daraus folgt seine Rolle als Frühindikator. Sinkt der Bruttogewinn im Verhältnis zum Umsatz, ist entweder der Einkauf teurer geworden oder der Verkaufspreis unter Druck geraten. Beides zeigt sich hier, lange bevor es im Nettogewinn ankommt - dort lässt es sich noch eine Zeit lang durch Sparen bei Vertrieb und Verwaltung überdecken.

Die uneinheitliche Abgrenzung

Was in die Herstellungskosten gebucht wird, ist nicht überall gleich geregelt. Frachtkosten, Abschreibungen auf Produktionsanlagen, Gehälter des technischen Kundendienstes und Gewährleistungsrückstellungen landen bei einem Unternehmen in den Herstellungskosten und beim Wettbewerber im Vertriebsaufwand. Der Bruttogewinn zweier vergleichbarer Unternehmen kann sich dadurch um Prozentpunkte unterscheiden, ohne dass ein realer Unterschied besteht.

Manche Unternehmen weisen überhaupt keinen Bruttogewinn aus. Das Gesamtkostenverfahren, in Deutschland verbreitet, gliedert die Aufwendungen nach Art statt nach Funktion und kennt die Zwischenstufe nicht. Dort lässt sich der Bruttogewinn nur näherungsweise ableiten.

Für die Praxis heißt das: Innerhalb einer Branche ist der Bruttogewinn ein starkes Signal, über Branchen- und Rechnungslegungsgrenzen hinweg ein schwaches. Wer die Zahl über die Jahre desselben Unternehmens verfolgt, umgeht das Problem, weil die Abgrenzung dort stabil bleibt.

Häufige Fragen

Heißt Rohertrag dasselbe?

Ja, Rohertrag ist ein gebräuchliches Synonym. Auf Englisch heißt es Gross Profit.

Was ist der Unterschied zum Betriebsergebnis?

Der Bruttogewinn steht weiter oben. Von ihm gehen noch Vertrieb, Verwaltung und Forschung ab, dann ergibt sich das Betriebsergebnis, auch EBIT genannt.

Was gehört zu den Herstellungskosten?

Alle Kosten, die dem verkauften Produkt direkt zurechenbar sind: Material, Fertigungslöhne, Energie in der Produktion, Abschreibungen auf Produktionsanlagen. Die genaue Abgrenzung unterscheidet sich zwischen Unternehmen.

Kann ein Unternehmen mit hohem Bruttogewinn Verlust machen?

Ja, und bei jungen Wachstumsunternehmen ist das der Normalfall. Ein Bruttogewinn von 80 % des Umsatzes nützt nichts, wenn Vertrieb und Forschung mehr als 80 % verschlingen. Der Bruttogewinn zeigt das Potenzial, nicht das Ergebnis.

Loading...
Loading...