Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie viel Gewinn ein Unternehmen aus dem Kapital seiner Eigentümer erwirtschaftet.

Formel

Nettogewinn Eigenkapital × 100

Eine Eigenkapitalrendite von 15 % heißt: Auf jeden Euro Eigenkapital erwirtschaftet das Unternehmen 15 Cent Gewinn im Jahr. Die Kennzahl beantwortet damit die Frage, die einen Eigentümer unmittelbar betrifft - was sein eingesetztes Kapital erwirtschaftet.

Eigenkapitalrendite im Branchenvergleich

11,2 % Median über alle erfassten Aktien
Mittlere Hälfte 5,1 bis 19,2 %, gemessen an 2.441 Titeln

Alle Werte sind Medianwerte aus dem erfassten Aktienbestand, nicht Durchschnitte. Hier ist das entscheidend: Unternehmen mit sehr kleinem oder negativem Eigenkapital erreichen dreistellige Renditen und würden jeden Durchschnitt zerstören. Die Spalte Mittlere Hälfte zeigt, wo die mittleren 50 % liegen.

Nach Sektor

Sektor Median Mittlere Hälfte Titel
Energie 13,5 % 7,9 bis 20,4 % 115
Technologie 13,3 % 3,9 bis 24,4 % 332
Konsum (defensiv) 13,2 % 5,7 bis 20,9 % 156
Industrie 12,3 % 6,8 bis 20,0 % 425
Finanzen 12,1 % 8,6 bis 17,4 % 373
Gesundheit 10,4 % -2,5 bis 20,0 % 227
Konsum (zyklisch) 10,3 % 3,2 bis 23,5 % 287
Kommunikationsdienste 10,2 % 3,2 bis 19,4 % 121
Versorger 9,0 % 6,2 bis 10,9 % 96
Rohstoffe 8,2 % 2,2 bis 16,7 % 162
Immobilien 6,7 % 2,6 bis 10,7 % 134

Die Branchen mit der höchsten Eigenkapitalrendite

Branche Median Mittlere Hälfte Titel
Unterkünfte 35,4 % 7,1 bis 50,9 % 7
Persönliche Dienstleistungen 35,0 % 13,0 bis 37,2 % 5
Reisebüros 32,0 % 20,3 bis 37,6 % 8
Bekleidungsverkauf 29,6 % 16,3 bis 36,8 % 17
Beratungsdienste 26,9 % 17,4 bis 34,1 % 7
Arzneimittelhersteller - Allgemein 24,0 % 13,1 bis 33,8 % 28
Discounter 23,5 % 17,9 bis 26,1 % 8
Getränke - Nicht-Alkoholisch 22,8 % 15,8 bis 37,4 % 13
Sicherheits- & Schutzdienste 22,4 % 11,3 bis 26,8 % 7
Restaurants 21,6 % 12,7 bis 47,4 % 16
Schuhe & Accessoires 20,5 % 13,9 bis 27,0 % 8
Gold 20,4 % 15,9 bis 24,4 % 16

Die Branchen mit der niedrigsten Eigenkapitalrendite

Branche Median Mittlere Hälfte Titel
Hypothekenfinanzierung 3,8 % -1,0 bis 3,9 % 5
Landwirtschaftliche Produkte 3,2 % 2,3 bis 5,8 % 5
Automobilhersteller 3,1 % -7,0 bis 8,6 % 37
Personal- und Beschäftigungsdienste 2,4 % -21,0 bis 8,0 % 10
Rundfunk 1,9 % -7,5 bis 8,3 % 5
Arzneimittelhersteller - Spezial & Generika 1,2 % -27,5 bis 15,9 % 24
REIT - Büro 1,2 % -3,1 bis 4,1 % 11
Freizeitfahrzeuge 0,3 % -5,1 bis 4,2 % 5
Versorgungsunternehmen - Erneuerbare Energien -1,7 % -3,3 bis 6,4 % 11
Solar -4,4 % -14,9 bis 11,3 % 9
Biotechnologie -6,4 % -49,1 bis 20,1 % 52
Uran -10,0 % -10,3 bis 5,0 % 5

Ausgewertet werden 124 Branchen mit jeweils mindestens fünf erfassten Unternehmen. Grundlage ist der Bestand von mehr als 2.300 Aktien, Stand des letzten Datenabgleichs.

Die Falle: Verschuldung hebt die Rendite

Die Eigenkapitalrendite hat das Eigenkapital im Nenner, und dieser Nenner lässt sich verkleinern. Wer Eigenkapital durch Schulden ersetzt, etwa über Aktienrückkäufe auf Kredit, hebt seine Eigenkapitalrendite, ohne einen Cent mehr zu verdienen. Ein Unternehmen mit 8 % Rendite auf das Gesamtkapital kann durch Verschuldung leicht 20 % Eigenkapitalrendite ausweisen.

Das Geschäft wird dadurch nicht besser, nur anfälliger: Im Abschwung bleibt die Zinslast, während der Gewinn wegbricht. Eine hohe Eigenkapitalrendite gehört deshalb immer neben die Eigenkapitalquote. Liegt eine Rendite von 25 % bei einer Eigenkapitalquote von 12 %, stammt sie überwiegend aus dem Hebel.

Die Kennzahl, die diese Hintertür schließt, ist die Kapitalrendite ROIC. Sie nimmt Eigen- und Fremdkapital gemeinsam in den Nenner und ist damit unabhängig von der Finanzierungsstruktur.

Zwei weitere Verzerrungen

Die erste betrifft Unternehmen mit langer Rückkaufhistorie. Wer über Jahre eigene Aktien über dem Buchwert erwirbt, senkt sein Eigenkapital planmäßig. Bei einigen sehr profitablen Konzernen ist es dadurch fast aufgezehrt oder negativ, und die Eigenkapitalrendite erreicht absurde Werte oder wird unbrauchbar.

Die zweite betrifft den Firmenwert. Ein Konzern, der teuer zugekauft hat, trägt einen hohen Goodwill im Eigenkapital und zeigt deshalb eine niedrigere Rendite als sein laufendes Geschäft hergibt. Wird dieser Firmenwert später abgeschrieben, fällt der Gewinn und gleichzeitig das Eigenkapital, was die Kennzahl in beide Richtungen verzerrt.

Wie ein hoher Wert zu prüfen ist

Drei Fragen trennen eine echte von einer erzeugten Eigenkapitalrendite. Erstens: Wie hoch ist die Eigenkapitalquote? Bei solider Quote ist die Rendite verdient. Zweitens: Wie sieht der ROIC aus? Liegt er nah an der Eigenkapitalrendite, arbeitet das Geschäft ohne großen Hebel. Drittens: Hält die Rendite über zehn Jahre? Ein einzelnes gutes Jahr sagt nichts über die Ertragskraft.

Bleiben alle drei Antworten günstig, liegt ein Unternehmen mit echtem Wettbewerbsvorteil vor. Genau nach dieser Kombination sucht der Screener-Filter für Aktien mit Burggraben.

Wo die Kennzahl auf Aktienkatalog.de steht

Im Aktien-Screener lässt sich nach Eigenkapitalrendite filtern und sortieren und mit anderen Kennzahlen kombinieren. Je Aktie steht der Wert samt Historie auf der zugehörigen Kennzahlseite, zu erreichen über die Aktienseite im Aktienverzeichnis.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Eigenkapitalrendite?

Werte ab etwa 15 % gelten als gut, sofern sie ohne hohe Verschuldung entstehen. Die Tabelle oben zeigt den Median je Sektor und Branche. Entscheidend ist immer der Blick auf die Eigenkapitalquote daneben.

Wofür steht ROE?

Return on Equity, der englische Begriff für die Eigenkapitalrendite.

Warum ist die Eigenkapitalrendite bei Banken so viel niedriger?

Weil Banken mit sehr großen Bilanzen und viel Fremdkapital arbeiten, dabei aber regulatorische Eigenkapitalanforderungen erfüllen müssen. Zweistellige Renditen sind dort die Ausnahme.

Was bedeutet eine negative Eigenkapitalrendite?

Entweder macht das Unternehmen Verlust, oder sein Eigenkapital ist negativ. Im zweiten Fall ist die Kennzahl rechnerisch nicht mehr deutbar, weil ein positiver Gewinn geteilt durch negatives Eigenkapital ein negatives Ergebnis liefert.

Was ist der Unterschied zur Gesamtkapitalrendite?

Die Eigenkapitalrendite bezieht den Gewinn nur auf das Eigenkapital, die Gesamtkapitalrendite auf die gesamte Bilanzsumme. Der Abstand zwischen beiden zeigt, wie stark ein Unternehmen mit Fremdkapital arbeitet.

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