Fremdkapital

Fremdkapital umfasst alle Verbindlichkeiten eines Unternehmens gegenüber Dritten - von Bankkrediten über Anleihen bis zu offenen Lieferantenrechnungen.

Formel

Bilanzsumme - Eigenkapital

Fremdkapital ist der Gegenposten zum Eigenkapital: alles auf der Passivseite, was nicht den Eigentümern gehört. Der Anteil an der Bilanzsumme heißt Fremdkapitalquote und ergänzt sich mit der Eigenkapitalquote zu 100 %.

Die wichtigste Unterscheidung: verzinslich oder nicht

Die Summe aller Verbindlichkeiten sagt für sich genommen wenig, weil sie Posten mit völlig verschiedenem Charakter zusammenwirft. Verzinsliche Schulden kosten Geld und haben Fälligkeiten: Bankkredite, Anleihen, Schuldscheine, seit der Umstellung der Rechnungslegung auch Leasingverbindlichkeiten. Sie sind der Teil, der eine Zinslast erzeugt und refinanziert werden muss.

Unverzinsliche Verbindlichkeiten kosten dagegen nichts. Offene Lieferantenrechnungen, erhaltene Anzahlungen, Steuerverbindlichkeiten und Urlaubsrückstellungen gehören dazu. Ein hoher Bestand daran ist häufig ein Zeichen von Stärke: Wer seine Lieferanten spät und seine Kunden im Voraus bezahlt bekommt, lässt sich sein Umlaufvermögen von anderen finanzieren.

Für jede Verschuldungskennzahl zählt deshalb nur der verzinsliche Teil, abzüglich der Barmittel. Diese Größe heißt Nettoverschuldung.

Kurzfristig oder langfristig

Die zweite Trennlinie verläuft nach Fälligkeit. Kurzfristige Verbindlichkeiten werden innerhalb eines Jahres fällig, langfristige später. Diese Unterscheidung entscheidet über die unmittelbare Belastbarkeit: Ein Unternehmen mit hohen, aber langfristig zu festen Zinsen gesicherten Schulden steht besser da als eines mit geringerer Gesamtlast, deren Kredite im nächsten Jahr auslaufen.

Genau hier liegt ein Risiko, das Bilanzkennzahlen zum Stichtag nicht zeigen. Wer sich zu 2 % finanziert hat und bei 6 % refinanzieren muss, verdreifacht seine Zinslast, ohne dass sich an der Schuldenhöhe etwas ändert. Der Blick in den Geschäftsbericht auf die Fälligkeitsstruktur gehört deshalb dazu.

Warum Fremdkapital nicht schlecht ist

Fremdkapital ist in der Regel billiger als Eigenkapital, und die Zinsen mindern die Steuerlast. Wer damit Investitionen finanziert, die mehr erwirtschaften als sie an Zinsen kosten, erhöht die Rendite für die Eigentümer. Ein Unternehmen ganz ohne Schulden verschenkt diesen Effekt.

Der Preis dafür ist Anfälligkeit. Zins und Tilgung sind fällig, ob das Geschäft läuft oder nicht, und im Abschwung wird genau dann Geld gebraucht, wenn am wenigsten hereinkommt. Die tragbare Höhe hängt deshalb an der Schwankungsbreite der Erträge. Beurteilen lässt sie sich über drei Kennzahlen: Eigenkapitalquote für die Struktur, Zinsdeckung für die laufende Belastung, Nettoverschuldung zu EBITDA für die Tilgungsdauer.

Häufige Fragen

Was gehört alles zum Fremdkapital?

Alle Verbindlichkeiten und Rückstellungen: Bankkredite, Anleihen, Leasingverbindlichkeiten, Lieferantenverbindlichkeiten, Steuer- und Pensionsverpflichtungen, erhaltene Anzahlungen.

Was ist die Nettoverschuldung?

Die verzinslichen Schulden abzüglich der liquiden Mittel und kurzfristigen Geldanlagen. Unverzinsliche Posten wie Lieferantenverbindlichkeiten gehören nicht dazu.

Was ist die Fremdkapitalquote?

Der Anteil des Fremdkapitals an der Bilanzsumme. Sie ergänzt sich mit der Eigenkapitalquote zu 100 %: Bei 35 % Eigenkapitalquote liegt die Fremdkapitalquote bei 65 %.

Ab wann ist ein Unternehmen zu hoch verschuldet?

Eine allgemeine Grenze gibt es nicht, sie hängt an der Stabilität der Erträge. Als Anhaltspunkte gelten eine Zinsdeckung unter 1,5 und eine Nettoverschuldung über dem Vierfachen des EBITDA als kritisch.

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