Gesamtkapitalrendite
Die Gesamtkapitalrendite setzt den Gewinn zur Bilanzsumme. Sie zeigt, wie produktiv ein Unternehmen sein gesamtes Vermögen einsetzt, unabhängig von der Finanzierung.
Formel
Eine Gesamtkapitalrendite von 6 % heißt: Auf jeden Euro Vermögen in der Bilanz erwirtschaftet das Unternehmen 6 Cent Gewinn im Jahr. Weil die Bilanzsumme immer größer ist als das Eigenkapital, liegt dieser Wert stets unter der Eigenkapitalrendite.
Gesamtkapitalrendite im Branchenvergleich
Alle Werte sind Medianwerte aus dem erfassten Aktienbestand, nicht Durchschnitte. Die Spalte Mittlere Hälfte zeigt, wo die mittleren 50 % der Unternehmen liegen. Die Niveaus unterscheiden sich stark, weil die Kennzahl unmittelbar an der Kapitalintensität einer Branche hängt.
Nach Sektor
| Sektor | Median | Mittlere Hälfte | Titel |
|---|---|---|---|
| Energie | 6,2 % | 3,4 bis 9,2 % | 117 |
| Technologie | 6,1 % | 1,9 bis 11,2 % | 338 |
| Konsum (defensiv) | 5,3 % | 2,3 bis 7,8 % | 160 |
| Industrie | 5,0 % | 2,6 bis 8,0 % | 434 |
| Gesundheit | 4,6 % | -3,8 bis 9,7 % | 243 |
| Konsum (zyklisch) | 4,1 % | 1,2 bis 8,5 % | 311 |
| Kommunikationsdienste | 4,1 % | 0,8 bis 7,7 % | 125 |
| Rohstoffe | 3,5 % | 1,2 bis 8,1 % | 164 |
| Immobilien | 2,9 % | 1,4 bis 4,2 % | 137 |
| Versorger | 2,6 % | 1,9 bis 3,3 % | 96 |
| Finanzen | 1,4 % | 0,7 bis 3,7 % | 375 |
Die Branchen mit der höchsten Gesamtkapitalrendite
| Branche | Median | Mittlere Hälfte | Titel |
|---|---|---|---|
| Gold | 15,2 % | 11,7 bis 17,6 % | 16 |
| Elektronische Spiele & Multimedia | 12,5 % | -1,6 bis 14,5 % | 11 |
| Bekleidungsverkauf | 11,1 % | 4,4 bis 16,3 % | 17 |
| Sicherheits- & Schutzdienste | 11,1 % | 3,8 bis 12,2 % | 7 |
| Industrielle Distribution | 9,4 % | 8,9 bis 10,6 % | 13 |
| Persönliche Dienstleistungen | 9,3 % | 2,8 bis 15,8 % | 5 |
| Unterkünfte | 9,2 % | 3,8 bis 12,3 % | 11 |
| Arzneimittelhersteller - Allgemein | 9,1 % | 3,3 bis 12,3 % | 29 |
| Beratungsdienste | 8,7 % | 6,8 bis 12,8 % | 8 |
| Erdöl & Gas Raffinerie & Marketing | 8,7 % | 6,3 bis 9,2 % | 10 |
| Halbleiterausrüstung & -materialien | 8,4 % | 3,6 bis 20,7 % | 30 |
| Metallverarbeitung | 8,3 % | 6,9 bis 11,5 % | 7 |
Die Branchen mit der niedrigsten Gesamtkapitalrendite
| Branche | Median | Mittlere Hälfte | Titel |
|---|---|---|---|
| REIT - Büro | 0,9 % | -0,1 bis 1,8 % | 11 |
| Rundfunk | 0,9 % | -1,9 bis 1,1 % | 5 |
| Automobilhersteller | 0,8 % | -2,1 bis 3,1 % | 37 |
| Lebensversicherung | 0,7 % | 0,5 bis 1,3 % | 20 |
| Banken - Diversifiziert | 0,6 % | 0,5 bis 0,8 % | 30 |
| Personal- und Beschäftigungsdienste | 0,6 % | -1,6 bis 2,9 % | 10 |
| Freizeitfahrzeuge | 0,2 % | -1,6 bis 2,6 % | 5 |
| Versorgungsunternehmen - Erneuerbare Energien | -0,9 % | -1,4 bis 1,4 % | 11 |
| Arzneimittelhersteller - Spezial & Generika | -1,0 % | -8,7 bis 7,2 % | 25 |
| Solar | -1,2 % | -4,7 bis 4,6 % | 9 |
| Uran | -5,3 % | -9,1 bis 3,4 % | 5 |
| Biotechnologie | -8,3 % | -40,6 bis 11,6 % | 61 |
Ausgewertet werden 126 Branchen mit jeweils mindestens fünf erfassten Unternehmen. Grundlage ist der Bestand von mehr als 2.300 Aktien, Stand des letzten Datenabgleichs.
Was die Kennzahl leistet
Die Gesamtkapitalrendite ist der Gegenentwurf zur Eigenkapitalrendite. Weil die volle Bilanzsumme im Nenner steht, lässt sie sich durch Verschuldung nicht heben: Wer Kredit aufnimmt, vergrößert sein Vermögen und damit den Nenner. Die Kennzahl beantwortet daher eine andere Frage - wie effizient das Unternehmen mit dem arbeitet, was es besitzt.
Der Abstand zwischen beiden Renditen ist selbst eine Information. Liegen Eigenkapitalrendite bei 20 % und Gesamtkapitalrendite bei 4 %, arbeitet das Unternehmen mit erheblichem Fremdkapitalhebel. Liegen 14 % und 11 % nebeneinander, ist die Rendite überwiegend aus dem Geschäft verdient.
Warum der Branchenvergleich hier zwingend ist
Die Bilanzsumme wächst mit der Kapitalintensität. Ein Softwareunternehmen braucht kaum Anlagevermögen und erreicht zweistellige Werte. Ein Stahlwerk, ein Netzbetreiber oder eine Reederei trägt Milliarden an Anlagen und liegt strukturell im niedrigen einstelligen Bereich, ohne schlechter geführt zu sein.
Am deutlichsten zeigt sich das bei Banken. Ihre Bilanzsumme umfasst alle ausgereichten Kredite; eine Gesamtkapitalrendite unter 1 % ist dort völlig normal. Die Kennzahl über Branchengrenzen hinweg zu vergleichen führt regelmäßig zu falschen Schlüssen.
Die Schwäche im Zähler und Nenner
Im Zähler steht der Nettogewinn nach Zinsen. Das ist inkonsequent: Der Nenner umfasst auch das fremdfinanzierte Vermögen, der Zähler hat die Vergütung der Gläubiger aber schon abgezogen. Wer diese Unschärfe vermeiden will, greift zur Kapitalrendite ROIC, die mit dem Ergebnis vor Zinsen rechnet und den Nenner auf das tatsächlich im Geschäft arbeitende Kapital eingrenzt.
Im Nenner steht die Bilanzsumme mit allen ihren Schwächen. Selbst entwickelte Software und Marken fehlen dort, weil sie nicht aktiviert werden dürfen. Zugekaufte Firmenwerte stehen dagegen in voller Höhe darin. Zwei Unternehmen mit identischem Geschäft können deshalb sehr verschiedene Werte zeigen, je nachdem ob sie gewachsen sind oder gekauft haben.
Wo die Kennzahl auf Aktienkatalog.de steht
Im Aktien-Screener lässt sich nach Gesamtkapitalrendite filtern und sortieren und mit anderen Kennzahlen kombinieren. Je Aktie steht der Wert samt Historie auf der zugehörigen Kennzahlseite, zu erreichen über die Aktienseite im Aktienverzeichnis.
Häufige Fragen
Was ist eine gute Gesamtkapitalrendite?
Das hängt an der Kapitalintensität der Branche. Für Industrie und Handel gelten Werte ab etwa 5 % als solide, bei Software liegt der Maßstab deutlich höher, bei Banken und Versorgern deutlich niedriger. Die Tabelle oben nennt den Median je Sektor und Branche.
Wofür steht ROA?
Return on Assets, der englische Begriff für die Gesamtkapitalrendite.
Warum liegt die Gesamtkapitalrendite immer unter der Eigenkapitalrendite?
Weil die Bilanzsumme das Eigenkapital plus alle Verbindlichkeiten umfasst und damit größer ist. Bei gleichem Gewinn im Zähler ergibt der größere Nenner den kleineren Wert. Nur bei einem Unternehmen ohne jede Verbindlichkeit wären beide gleich.
Was ist der Unterschied zum ROIC?
Der ROIC grenzt den Nenner auf das im Geschäft arbeitende Kapital ein, lässt also unverzinsliche Posten und überschüssige Barmittel außen vor, und rechnet im Zähler mit dem Ergebnis vor Zinsen. Er ist dadurch näher an der operativen Realität.