Goodwill (Firmenwert)

Der Goodwill entsteht bei Übernahmen: Er ist der Teil des Kaufpreises, der über dem Wert der übernommenen Vermögenswerte liegt.

Formel

Kaufpreis - Zeitwert des übernommenen Nettovermögens

Zahlt ein Konzern 800 Millionen für ein Unternehmen, dessen Vermögen abzüglich Schulden mit 500 Millionen bewertet wird, entstehen 300 Millionen Goodwill. Bezahlt wurde damit alles, was sich nicht einzeln bewerten lässt: Marktposition, Kundenstamm, Belegschaft, erwartete Synergien.

Was der Posten wirklich abbildet

Der Goodwill ist die bilanzierte Erwartung, dass eine Übernahme aufgeht. Er hat keinen eigenständigen Verkaufswert: Man kann ihn nicht veräußern, nicht beleihen und nicht verwerten. In einer Insolvenz ist er wertlos. Genau deshalb behandeln vorsichtige Betrachter ihn als Abzugsposten und rechnen mit dem materiellen Eigenkapital.

Ein hoher Goodwill sagt zugleich etwas über die Wachstumsstrategie. Ein Konzern, dessen Bilanz zu einem großen Teil aus Firmenwerten besteht, ist durch Zukäufe gewachsen. Ob das gelungen ist, zeigt sich an der Kapitalrendite in den Jahren danach: Bleibt sie stabil, war der Preis gerechtfertigt. Sinkt sie, wurde teuer gekauft.

Keine planmäßige Abschreibung, aber ein jährlicher Test

Nach IFRS und US-GAAP wird der Goodwill nicht über eine Nutzungsdauer verteilt. Stattdessen prüfen Unternehmen mindestens jährlich, ob der Buchwert noch erzielbar ist. Fällt der Test negativ aus, folgt eine außerplanmäßige Wertminderung, ein Impairment. Die belastet den Gewinn in voller Höhe und auf einen Schlag.

Diese Konstruktion erzeugt ein charakteristisches Muster: Jahre ohne jede Belastung, dann eine einzelne Abschreibung in Milliardenhöhe. Weil der Test auf Annahmen über künftige Zahlungsströme beruht, hat das Management dabei erheblichen Ermessensspielraum. Impairments kommen deshalb meist spät - oft erst, wenn der Markt die gescheiterte Übernahme längst eingepreist hat, oder gebündelt beim Wechsel der Führung.

Wie das Risiko einzuschätzen ist

Die aussagekräftigste Größe ist der Goodwill im Verhältnis zum Eigenkapital. Liegt er darüber, würde eine vollständige Abschreibung das Eigenkapital ins Negative drehen. Werte über 50 % des Eigenkapitals gelten als erhöhtes Risiko und verdienen einen Blick darauf, wann und wofür zugekauft wurde.

Eine Abschreibung kostet allerdings kein Geld. Der Cashflow bleibt unberührt, Dividendenfähigkeit und Zinsdeckung ändern sich nicht. Das Geld war Jahre vorher abgeflossen, beim Kauf. Das Impairment ist die späte Buchung einer Fehlentscheidung, nicht das Ereignis selbst.

Häufige Fragen

Warum wird Goodwill nicht planmäßig abgeschrieben?

Weil die Rechnungslegung ihm keine bestimmbare Nutzungsdauer zuschreibt. Statt einer jährlichen Verteilung gibt es einen jährlichen Werthaltigkeitstest. Bis 2004 war eine planmäßige Abschreibung üblich; die Umstellung ist bis heute umstritten.

Was ist ein Impairment?

Eine außerplanmäßige Wertminderung. Ergibt der jährliche Test, dass der Buchwert nicht mehr erzielbar ist, wird die Differenz sofort und in voller Höhe als Aufwand gebucht.

Ist ein hoher Goodwill immer schlecht?

Nicht zwangsläufig. Er zeigt, dass ein Unternehmen durch Zukäufe gewachsen ist. Erfolgreiche Übernahmen rechtfertigen ihn. Kritisch wird es, wenn er im Verhältnis zum Eigenkapital groß ist und die Kapitalrendite nach den Zukäufen gesunken ist.

Was ist der Unterschied zu immateriellen Vermögenswerten?

Immaterielle Vermögenswerte sind einzeln identifizierbar und bewertbar, etwa Patente, Lizenzen oder Markenrechte, und werden über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben. Der Goodwill ist der Restbetrag, der sich keinem einzelnen Posten zuordnen lässt.

Kostet eine Goodwill-Abschreibung Geld?

Nein. Sie mindert den Gewinn, berührt den Cashflow aber nicht. Der Geldabfluss lag im Kaufzeitpunkt.

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