Nettoeinkommen
Das Nettoeinkommen ist der Gewinn, der nach allen Kosten, Zinsen und Steuern übrig bleibt. Es ist die letzte Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung.
Formel
Das Nettoeinkommen ist der Betrag, der den Eigentümern zusteht. Aus ihm wird die Dividende gezahlt, aus ihm werden Aktien zurückgekauft, der Rest wandert in die Gewinnrücklagen. Geteilt durch die Zahl der Aktien ergibt es den Gewinn je Aktie und damit den Nenner des KGV.
Die anfälligste Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung
Weil das Nettoeinkommen am Ende aller Abzüge steht, sammelt es alle Sonderposten ein. Der Verkauf eines Grundstücks, eine Abschreibung auf einen alten Firmenwert, eine Steuernachzahlung, ein Rechtsstreit, eine Restrukturierung - jedes davon schlägt voll durch und kann den Gewinn halbieren oder verdoppeln, ohne dass sich am Geschäft etwas geändert hat.
Deshalb ist ein einzelnes Jahr wenig wert. Aussagekräftig wird die Zahl im Verlauf über mehrere Jahre und im Vergleich mit den Stufen darüber. Springt das Nettoeinkommen, während Umsatz und Betriebsergebnis ruhig verlaufen, lag es nicht am Geschäft. Bewegen sich alle drei gemeinsam, hat sich wirklich etwas verändert.
Bereinigt oder ausgewiesen
Viele Unternehmen berichten neben dem ausgewiesenen Gewinn einen bereinigten, aus dem Sonderposten herausgerechnet sind. Das ist nützlich, weil es die laufende Ertragskraft besser abbildet. Es ist zugleich ungeprüft und nicht standardisiert: Was als einmalig gilt, entscheidet das Unternehmen selbst.
Ein Blick lohnt daher darauf, was Jahr für Jahr als einmalig deklariert wird. Restrukturierungsaufwendungen, die in fünf aufeinanderfolgenden Jahren auftreten, sind laufende Kosten des Geschäfts. Liegen bereinigte und ausgewiesene Zahl dauerhaft weit auseinander, verdient die Differenz mehr Aufmerksamkeit als der bereinigte Wert.
Warum Gewinn nicht Geld ist
Das Nettoeinkommen enthält Posten, die kein Geld bewegen: Abschreibungen, Rückstellungen, Wertminderungen, aktienbasierte Vergütung. Und es enthält Umsätze, die noch nicht bezahlt sind. Ein Unternehmen kann deshalb Gewinn ausweisen und gleichzeitig Geld verlieren.
Die Gegenprobe führt über die Kapitalflussrechnung. Über mehrere Jahre sollten Nettoeinkommen und operativer Cashflow ähnlich verlaufen. Bleibt der Cashflow dauerhaft dahinter zurück, lohnt die Frage nach dem Grund: wachsende Forderungen, steigende Lagerbestände, aktivierte Kosten. Ein Gewinn ohne folgenden Cashflow ist der klassische Vorbote unangenehmer Überraschungen.
Häufige Fragen
Heißt Jahresüberschuss dasselbe?
Ja, Jahresüberschuss, Nettogewinn und Reingewinn bezeichnen dasselbe. Auf Englisch heißt es Net Income oder Net Earnings.
Was ist der Unterschied zum Betriebsergebnis?
Das Betriebsergebnis, auch EBIT, steht vor Zinsen und Steuern. Das Nettoeinkommen zieht beide zusätzlich ab. Der Abstand zwischen ihnen zeigt, wie viel an Gläubiger und Finanzämter geht.
Warum weicht das Nettoeinkommen vom Cashflow ab?
Weil es Aufwendungen enthält, die kein Geld kosten, und Umsätze, die noch nicht bezahlt sind. Über lange Zeiträume laufen beide Größen zusammen, in einzelnen Jahren können sie stark auseinandergehen.
Kann das Nettoeinkommen höher sein als das Betriebsergebnis?
Ja, wenn ein Unternehmen außerhalb des operativen Geschäfts Geld verdient - etwa durch einen Beteiligungsverkauf, hohe Zinserträge oder eine Steuererstattung. Dauerhaft ist das selten.
Wie wird daraus der Gewinn je Aktie?
Nettoeinkommen geteilt durch die Zahl der ausstehenden Aktien. Der verwässerte Wert rechnet zusätzlich alle Rechte auf neue Aktien ein.