Aktien-Lexikon

Erklärt werden hier die Kennzahlen und Begriffe, die auf Aktienkatalog.de tatsächlich vorkommen - im Aktien-Screener, auf den Aktienseiten und in den Auswertungen. Bei 26 der 55 Begriffe steht nicht nur die Definition, sondern auch ein Branchenvergleich aus dem eigenen Bestand: Median und Streuung je Sektor und Branche, damit sich ein einzelner Wert einordnen lässt.

Bewertung

EV-Multiples EV-Multiples setzen den Unternehmenswert statt der Marktkapitalisierung ins Verhältnis zu Umsatz, Ergebnis oder Cashflow. Sie machen Unternehmen mit unterschiedlicher Verschuldung vergleichbar.
Freie Cashflow-Rendite Die freie Cashflow-Rendite setzt den freien Cashflow zur Marktkapitalisierung. Sie beantwortet, wie viel Bargeld ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem Börsenwert erwirtschaftet.
Gewinnrendite Die Gewinnrendite ist der Kehrwert des KGV. Sie sagt, welchen Prozentsatz des Kaufpreises ein Unternehmen pro Jahr als Gewinn erwirtschaftet.
Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) Das Kurs-Buchwert-Verhältnis setzt den Börsenkurs zum bilanziellen Eigenkapital je Aktie. Es beantwortet die Frage, wie viel Anleger für einen Euro Buchwert zahlen.
Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) Das Kurs-Cashflow-Verhältnis teilt die Marktkapitalisierung durch den operativen Cashflow. Es rechnet mit dem Geld, das hereinkommt, statt mit dem ausgewiesenen Gewinn.
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) Das Kurs-Gewinn-Verhältnis teilt den Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie. Es sagt, wie viele Jahresgewinne die Börse für eine Aktie verlangt.
Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) Das Kurs-Umsatz-Verhältnis teilt die Marktkapitalisierung durch den Jahresumsatz. Es funktioniert auch dann, wenn ein Unternehmen keinen Gewinn ausweist.
Marktkapitalisierung Die Marktkapitalisierung ist der Börsenwert eines Unternehmens: Aktienkurs mal Zahl der ausstehenden Aktien.
PEG-Ratio Die PEG-Ratio teilt das Kurs-Gewinn-Verhältnis durch die Gewinnwachstumsrate. Sie versucht damit die Frage zu beantworten, ob ein hohes KGV durch Wachstum gerechtfertigt ist.
Unternehmenswert Der Unternehmenswert ist die Marktkapitalisierung plus Nettoschulden. Er beschreibt, was der Erwerb des ganzen Unternehmens kostet, Schuldenübernahme eingeschlossen.

Rentabilität und Margen

Bruttomarge Die Bruttomarge zeigt, wie viel vom Umsatz nach den direkten Herstellungskosten übrig bleibt - bevor Vertrieb, Verwaltung und Forschung bezahlt sind.
EBITDA-Marge Die EBITDA-Marge zeigt, wie viel vom Umsatz übrig bleibt, bevor Zinsen, Steuern und Abschreibungen abgezogen werden.
Eigenkapitalrendite Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie viel Gewinn ein Unternehmen aus dem Kapital seiner Eigentümer erwirtschaftet.
Gesamtkapitalrendite Die Gesamtkapitalrendite setzt den Gewinn zur Bilanzsumme. Sie zeigt, wie produktiv ein Unternehmen sein gesamtes Vermögen einsetzt, unabhängig von der Finanzierung.
Kapitalrendite (ROIC) Die Kapitalrendite misst, wie viel operativen Gewinn ein Unternehmen aus dem investierten Kapital erwirtschaftet - unabhängig davon, ob dieses Kapital von Eigentümern oder Gläubigern kommt.
Nettomarge Die Nettomarge zeigt, wie viel vom Umsatz am Ende tatsächlich als Gewinn übrig bleibt - nach allen Kosten, Zinsen und Steuern.
Operative Marge Die operative Marge zeigt, wie viel vom Umsatz nach allen Kosten des laufenden Geschäfts übrig bleibt - vor Zinsen und Steuern.
Rule of 40 Die Rule of 40 addiert Umsatzwachstum und Gewinnmarge zu einer einzigen Zahl. Liegt die Summe über 40 %, gilt die Balance zwischen Wachstum und Profitabilität als gesund.

Gewinn- und Verlustrechnung

Bruttogewinn Der Bruttogewinn ist der Umsatz abzüglich der Herstellungskosten. Er zeigt, was nach den direkten Kosten des verkauften Produkts übrig bleibt.
Gesamtumsatz Der Gesamtumsatz ist die Summe aller Erlöse aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen in einem Zeitraum. Er steht als erste Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung.
Nettoeinkommen Das Nettoeinkommen ist der Gewinn, der nach allen Kosten, Zinsen und Steuern übrig bleibt. Es ist die letzte Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung.

Cashflow

Freier Cashflow Der freie Cashflow ist das Geld, das nach allen Ausgaben für das laufende Geschäft und für Investitionen tatsächlich übrig bleibt. Aus ihm werden Dividenden, Aktienrückkäufe und Schuldentilgung bezahlt.
Kapitalausgaben (Capex) Kapitalausgaben sind die Investitionen in langfristiges Sachvermögen - Gebäude, Maschinen, Netze, Fahrzeuge. Sie stehen zwischen operativem und freiem Cashflow.
Operativer Cashflow Der operative Cashflow ist das Geld, das ein Unternehmen aus seinem laufenden Geschäft einnimmt - bevor investiert, getilgt oder ausgeschüttet wird.

Bilanz und Verschuldung

Bilanzsumme Die Bilanzsumme ist das Gesamtvermögen eines Unternehmens. Sie ist gleichzeitig die Summe aus Eigen- und Fremdkapital - beide Seiten der Bilanz sind zwangsläufig gleich hoch.
Eigenkapital Das Eigenkapital ist der Teil des Vermögens, der den Eigentümern gehört: Bilanzsumme abzüglich aller Verbindlichkeiten.
Eigenkapitalquote Die Eigenkapitalquote zeigt, welcher Anteil des Vermögens einem Unternehmen selbst gehört und nicht seinen Gläubigern. Sie ist das einfachste Maß für die Stabilität einer Bilanz.
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Forderungen sind Umsatz, der bereits gebucht, aber noch nicht bezahlt ist: offene Rechnungen an Kunden zum Bilanzstichtag. Sie stehen im Umlaufvermögen und binden Geld, das das Unternehmen erwirtschaftet, aber noch nicht hat.
Fremdkapital Fremdkapital umfasst alle Verbindlichkeiten eines Unternehmens gegenüber Dritten - von Bankkrediten über Anleihen bis zu offenen Lieferantenrechnungen.
Goodwill (Firmenwert) Der Goodwill entsteht bei Übernahmen: Er ist der Teil des Kaufpreises, der über dem Wert der übernommenen Vermögenswerte liegt.
Liquiditätsgrade Die drei Liquiditätsgrade prüfen, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten bedienen kann - jeweils mit einer anderen Definition dessen, was als greifbar gilt.
Nettoverschuldung zu EBITDA Diese Kennzahl beantwortet, wie viele Jahre ein Unternehmen bräuchte, um seine Nettoschulden aus dem laufenden operativen Überschuss zu tilgen.
Sachanlagen Sachanlagen sind die körperlichen, langlebigen Vermögenswerte eines Unternehmens: Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fuhrpark, Rechenzentren. Sie stehen zum Buchwert in der Bilanz, also nach Abzug der bisher aufgelaufenen Abschreibungen.
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind offene Rechnungen von Lieferanten: Ware oder Leistung ist da, bezahlt ist sie noch nicht. Sie sind das Gegenstück zu den Forderungen und die günstigste Finanzierung, die ein Unternehmen bekommen kann.
Vorräte Vorräte sind Ware, die eingekauft oder produziert, aber noch nicht verkauft ist: Rohstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse, Handelsware. Sie stehen im Umlaufvermögen und binden Geld, bis der Verkauf sie wieder freisetzt.
Zinsdeckung Die Zinsdeckung zeigt, wie oft das Betriebsergebnis die Zinslast eines Jahres abdeckt. Sie ist die direkteste Antwort auf die Frage, ob ein Unternehmen seine Schulden tragen kann.

Dividende

Aktionärsrendite Die Aktionärsrendite zählt zusammen, was ein Unternehmen in zwölf Monaten an seine Aktionäre zurückgegeben hat: die gezahlte Dividende und das Geld für eigene Aktien, beides gemessen an der Marktkapitalisierung. Sie ist das vollständige Gegenstück zur Dividendenrendite.
Ausschüttungsquote Die Ausschüttungsquote zeigt, welchen Anteil seines Gewinns ein Unternehmen als Dividende auszahlt - und damit, wie viel Spielraum bleibt, wenn die Geschäfte schlechter laufen.
Dividende je Aktie Die Dividende je Aktie ist der Betrag, den ein Unternehmen für eine einzelne Aktie ausschüttet. Sie ist die Ausgangsgröße für Dividendenrendite und Ausschüttungsquote.
Dividendenrendite Die Dividendenrendite setzt die Dividende eines Jahres zum Aktienkurs. Sie beantwortet, welchen Anteil des eingesetzten Geldes eine Aktie als Ausschüttung zurückgibt.
Dividendenstrategie Die Dividendenstrategie wählt Aktien nach ihrer Ausschüttung aus statt nach erwartetem Kursgewinn. Das Ziel ist ein wiederkehrender Zahlungsstrom, der ohne den Verkauf von Anteilen entsteht.
Rückkaufrendite Die Rückkaufrendite setzt das Geld, das ein Unternehmen in zwölf Monaten für eigene Aktien ausgegeben hat, ins Verhältnis zu seiner Marktkapitalisierung. Sie beantwortet, welchen Anteil des Börsenwerts das Unternehmen im Jahr zurückkauft.

Aktie und Kapitalstruktur

Aktienbasierte Vergütung Aktienbasierte Vergütung ist die Bezahlung von Mitarbeitern in Aktien oder Optionen statt in Geld. Sie belastet den Gewinn, nicht aber den Cashflow - und verwässert die Aktionäre.
Aktienrückkäufe Bei einem Aktienrückkauf kauft ein Unternehmen eigene Aktien über die Börse zurück. Der Gewinn verteilt sich danach auf weniger Anteile, der Gewinn je Aktie steigt auch ohne operative Verbesserung. Rückkäufe sind neben der Dividende der zweite Weg, Geld an die Aktionäre zurückzugeben.
Aktiensplit Bei einem Aktiensplit wird jede Aktie in mehrere aufgeteilt. Der Kurs sinkt im gleichen Verhältnis - am Wert des Anteils ändert sich nichts.
Ausstehende Aktien Die ausstehenden Aktien sind alle von einem Unternehmen ausgegebenen und im Umlauf befindlichen Anteile. Ihre Zahl ist der Nenner fast aller Je-Aktie-Kennzahlen.
Free Float (Streubesitz) Der Free Float ist der Anteil der Aktien, der tatsächlich frei am Markt handelbar ist - ohne die festen Beteiligungen von Familien, Staaten oder strategischen Investoren.
Gewinn je Aktie (EPS) Der Gewinn je Aktie verteilt den Nettogewinn auf die ausstehenden Aktien. Er ist der Nenner des KGV und damit die Bezugsgröße der wichtigsten Bewertungskennzahl.

Markt und Kurs

Beta Das Beta misst, wie stark eine Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt schwankt. Ein Beta von 1 heißt: Die Aktie bewegt sich im Schnitt genauso stark wie der Markt.
Leerverkaufsquote Die Leerverkaufsquote zeigt, welcher Anteil der handelbaren Aktien von Anlegern geliehen und verkauft wurde, die auf einen fallenden Kurs setzen.
Relative Stärke (Levy) Die relative Stärke nach Levy vergleicht den aktuellen Kurs einer Aktie mit ihrem eigenen Durchschnitt der vergangenen Monate. Sie misst Momentum, nicht Bewertung.

Begriffe und Methodik

Commodity-Geschäft Ein Commodity-Geschäft verkauft ein austauschbares Gut, dessen Preis der Markt bestimmt. Das Unternehmen ist Preisnehmer: Es kann den Preis nur hinnehmen und über Kosten und Menge gegensteuern.
Horizontaler Markt Ein horizontaler Markt umfasst Anbieter, deren Produkt eine Funktion erfüllt, die in vielen Branchen gleichermaßen gebraucht wird.
TTM (Trailing Twelve Months) TTM steht für die zurückliegenden zwölf Monate. Kennzahlen mit diesem Zusatz rechnen mit den letzten vier Quartalen statt mit dem letzten Geschäftsjahr.
Vertikaler Markt Ein vertikaler Markt umfasst Anbieter, die sich auf eine einzige Branche spezialisieren und deren Bedarf in ganzer Tiefe abdecken.

Wie die Zahlen entstehen

Die Branchenvergleiche rechnen mit dem Median und nicht mit dem Durchschnitt. Bei Kennzahlen mit einem Nenner ist das keine Geschmacksfrage: Ein einzelnes Unternehmen mit winzigem Umsatz und hohem Verlust verschiebt den Durchschnitt einer ganzen Branche ins Absurde, während der Median davon unberührt bleibt.

Ausgewertet werden nur Branchen mit mindestens fünf erfassten Unternehmen, weil ein Median aus drei Titeln kein Vergleichswert ist. Grundlage ist der Bestand von mehr als 2.300 Aktien, Stand des letzten Datenabgleichs. Die Werte werden bei jedem Aufruf neu berechnet.

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